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Das richtige Instrument

Um auf der Mundharmonika Volks-, Kinder- oder Wanderlieder zu spielen, eignen sich alle gängigen Mundharmonika-Typen. Ich stelle hier mal die wichtigsten vor. Sinnvoll ist die Anschaffung von zwei oder drei Instrumenten: eines in C-Dur, eines in G-Dur (falls ein gesungenes Lied in C-Dur zu hoch oder zu tief wäre) und - wenn das Budget noch reicht - vielleicht noch eines in F-Dur.

Richter-Mundharmonikas
Benannt sind diese kleinen und handlichen Mundharmonikas nach einem gewissen Joseph Richter. Man weiß nicht so furchtbar viel über ihn - aber doch, dass er die Idee hatte, anders als z.B. bei den Wiener Modellen, jeweils einen Blas- und einen Ziehton gemeinsam in einer einzigen Kanzelle unterzubringen. Nimmt man nun z.B. die Kanzellen 1-4 (oder auch 4-7 bzw. 7-10) etwas "breiter" in den Mund, dann entsteht auf Blasen der Tonika-Akkord (also in diesem Fall C-Dur), auf Ziehen bei den Kanzellen 1-4 bzw. 2-4 gibt es die Dominante, in diesem Fall einen G-Dur Akkord. Dafür fehlt aber in der ersten und in der dritten Oktave jeweils der Ton H.

Richter-Mundharmonikas

Halbtöne gibt es auf der Richter-Mundharmonika auch nicht. Wer also z.B. zusammen mit anderen Musikinstrumenten musiziert (Gitarre, Klavier, Akkordeon), sollte für jede benötigte Tonart die entsprechende Mundharmonika dabei haben. Die Tonanordnung bezogen auf die jeweilige Tonart ändert sich dabei grundsätzlich nicht (vgl. untenstehendes Schema); eine C-Dur Mundharmonika bietet eben die C-Dur-Tonleiter, eine in Es-Dur beginnt in Kanal 1 eben mit Es und endet dort auch in Kanal 10.

Eine Richter-Mundharmonika in C-Dur ist folgendermaßen gestimmt (grün=Blastöne, rot=Ziehtöne):

Tonanordnung Richter-Harmonika

Geübte Spieler, besonders natürlich Blues-Spieler, gleichen die fehlenden Töne durch "Bending" (Biegen) aus: bei den Richtermundharmonikas ist es in den Kanälen 1-6 möglich, die Ziehtöne einen halben bis anderthalb Töne nach unten zu biegen, und bei den Kanälen 7-10 lassen sich die Blastöne auf die gleiche Weise manipulieren. Im Bereich des Blues und z.T. bei Country und Folk wird die Mundharmonika auch nicht "straight" ("geradeaus", das heißt: in der Tonart, die auf dem Instrument steht) gespielt, sondern "cross" (wir würden vielleicht sagen: "über Kreuz" oder "gegen den Strich"). Bei der "Cross"-Spielweise gilt als Grundton der Ziehton auf Kanal 2; d.h. eine Richter-Mundharmonika in "C" wird von Blues-Harpern dann verwendet, wenn sie in "G" spielen (mit verminderter Septime F statt Fis!) usw..

Je nach Serie und Hersteller sind Richter-Harps in allen 12 Dur-Tonarten und auch in verschiedenen Moll-Tonarten erhältlich. Wer das Einzeltonspiel beherrscht und eher Melodien spielt als Akkorde, kann auch Richter-Harmonikas mit abgewandelter Tonfolge wie "Paddy Richter" (z.B. bei Seydel erhältlich) oder "Solo-Stimmung" verwenden

Wiener Tremolo
Hochwertige Mundharmonikas kamen schon in der Zeit um 1820-1830 aus Wien, z.B. aus dem Unternehmen Wilhelm Thie. Sie unterscheiden sich grundsätzlich von den Richter-Modellen dadurch, dass jede Kanzelle noch einmal durch einen Quersteg in "oben" und "unten" eingeteilt ist. Blas-und Ziehton liegen hier nicht übereinander, sondern immer nebeneinander. Bei der Tremolo-Mundharmonika befindet sich auf der oberen Stimmplatte der jeweilige Ton, auf der unteren Stimmplatten derselbe Ton, aber um eine Kleinigkeit nach oben "verstimmt". Das Ergebnis ist der berühmte Schwebeton, den auch viele Akkordeon und Ziehharmonika-Spieler kennen und der landläufig eben "Tremolo" genannt wird. Haupteinsatzzweck dieser Mundharmonikas sind vor allem Volkslieder, Fahrten- und Wanderlieder.
Obwohl es Mundharmonika-Spieler gibt, die fast auf allen Instrumenten Töne "biegen" können, sind die Wiener Modelle dafür nicht wirklich geeignet. Insofern ist ihr Tonumfang beschränkt.
Wiener Tremolo-Modelle
Allerdings erreichen manche Spieler eine große Fertigkeit darin, auf diesem Instrument nicht nur einstimmige Melodien, sondern dabei gleichzeitig noch eine Akkordbegleitung zu erzeugen, die dem Klang einer Handharmonika schon sehr nahe kommt: das sogenannte Spiel mit dem "Zungenschlag".

Das obenstehende Bild zeigen übrigens sogenannte "Wender"-Modelle: im Grunde genommen eine Doppelmundharmonika, denn auf der einen Seite befindet sich eine Mundharmonika in C-Dur, auf der anderen eine in G-Dur (auch andere Tonarten sind erhältlich). Wer geschickt und schnell genug ist, kann damit fehlende Töne der jeweils anderen Seite ergänzen (z.B. wenn in C-Dur ein Fis gebraucht usw.). Natürlich sind auch die Wiener Modelle als ganz normale "einzelne" Mundharmonikas erhältlich.

Wiener Tremolo-Modelle gibt es in verschiedenen Größen und Tonarten. Der Tonumfang schwankt deshalb bei diesen Modellen. Eine zwanzigstimmige Wiener Tremolo in C-Dur hat folgende Tonanordnung:

Tonanordnung Wiener Tremolo
 
Die Wiener Modelle (Tremolo und Oktav) der Firma Seydel weichen von diesem Schema ab und folgen eher der Solo-Stimmung, bei der auch schon in der unteren Oktave alle acht Töne der jeweiligen diatonischen Skala vorhanden sind. Vor dem Kauf sollte man sich auf der Homepage von Seydel die Tonanordnung genauer anschauen. Man findet sich auch mit diesen Modellen gut zurecht.

Wiener Oktav
Für die Wiener Oktav-Modelle gilt im wesentlichen dasselbe wie für die Wiener Tremolo. Auch bei ihr klingen jeweils zwei Stimmzungen pro Ton (im Gegensatz zu den "einfachtönigen" Richter Modellen). Aber diesmal liegen die beiden übereinander liegenden Stimmzungen gleich eine ganze Oktave auseinander! Auch hier ergibt sich eine etwas andere Klangfarbe als bei anderen Modellen.
Bei vielen Herstellern werden die Wiener Oktav-Modelle in der sogenannten "Bananenform" gebaut ("geschweifte Form"); damit lassen sie sich rein äußerlich von der Tremolo unterscheiden. Je nach Hersteller gibt es (bzw. gab es in früheren Jahrzehnten) aber auch Tremolo-Modelle in geschweifter Form und umgekehrt Oktav-Modelle mit gerader Form.
Wiener Oktav-Modelle
Auch die Oktav-Modelle gibt es in verschiedenen Größen und Stimmungen. Die Tonanordnung einer zwanzigstimmigen C-Dur- Mundharmonika sieht so aus:
Tonanordnung Wiener Oktav

Knittlinger Oktav
In Knittlingen (Baden-Württemberg) wurden schon früh Oktav-Mundharmonikas in etwas anderer Bauweise als in Wien gebaut: die Kanzellen sind breiter, weil jede Kanzelle je eine Zieh- und eine Blaszunge beherbergt. Das Intervall zwischen den Stimmzungen der oberen und der unteren Reihe wiederum liegt eine Oktave auseinander.

Knittlinger Oktav

Leider wird dieser Typ Mundharmonikas heute meines Wissens kaum mehr gebaut - lediglich das Seydel-Oktav-Modell "Concerto" entspricht dieser Bauweise. Hohner-Modelle wie "Marine Band Full Concert" oder die "Auto Valve Harp" (oder wie hier die "Orchester II" und "Orchester III") sind ggf. noch in gutem Zustand oder aus alten Lagerbeständen zu erwerben. Offensichtlich kennen auch die Redakteure von playhohner.com den Unterschied zwischen dem Wiener und dem Knittlinger Typ nicht mehr, wenn sie auf Ihrer Webseite die "Unsere Lieblinge"-Modelle als "Richter/Knittlinger Oktav-Stimmung" bezeichnen (was doppelt falsch ist, weil die "Unsere Lieblinge"-Mundharmonikas ja eben auch nicht dem Richter-Modell entsprechen). Leider wird diese falsche Beschreibung auch von Händlern in ihre (Online-)Kataloge so übernommen.

Chromatische Mundharmonikas
Das Taschenpiano für alle Ansprüche! Chromatische Mundharmonikas bieten - wie der Name schon sagt - alle denkbaren Ganz- und Halbtöne. Üblich sind Modelle von einem Tonumfang von zweieinhalb bis vier vollen Oktaven!
Chromatische Mundharmonikas
Man erkennt chromatische Modelle schon von weitem an dem seitlich angebrachten Schieber. Dieser gibt - je nachdem ob er gedrückt ist oder nicht - jeweils die obere bzw. die untere Stimmplatte frei. Wird der Schieber nicht gedrückt, so kann man bei einer C-Dur-Chrom (es gibt auch welche in anderen Tonarten) in jeder Oktave alle Töne der C-Dur-Tonleiter spielen. Wird der Schieber gedrückt, so befindet sich dahinter sozusagen eine "Cis-Dur"-Harmonika. Es sind also wie auf dem Klavier alle denkbaren Ganz- und Halbtöne spielbar. Durch enharmonische Verwechslung sind manche Töne sogar mehrfach enthalten.
Eine chromatische Mundharmonika in C-Dur mit 4 Oktaven hat folgende Tonanordnung:

Tonanordnung chromatische Mundharmonika

Gute Spieler können also auf ein und demselben Instrument alle Tonarten des Quintenzirkels spielen!
Das Mundstück der chromatischen ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Außerdem spricht das Instrument nicht ganz so direkt an wie andere Mundharmonikas: die Stimmzungen sind mit "Ventilen" (kurzen Folienstreifen) belegt, die für größere Dichtigkeit beim Spielen sorgen sollen.

Hohner Vineta (Orchester IV)
Dieses Begleit-Instrument ist etwas in Vergessenheit geraten, obwohl es sich geradezu anbietet, wo zwei oder drei Mundharmonika-Spieler eine kleine Gruppe bilden.
Hohner Vineta
Mit der Vineta ist es möglich, ähnlich der linken Hand beim Akkordeon eine einfache Bass- und Akkordbegleitung hervorzubringen. Übrigens nicht nur im Bereich der Volkslieder, auch das Blues-Schema lässt sich mit den vorhandenen Akkorden unterlegen!
Das Instrument macht Sinn, wenn zwei oder mehr Mundharmonika-Spieler zusammen musizieren. Die schmaleren Kanzellen enthalten jeweils zwei Stimmzungen mit einem Bass-Einzelton, die etwas breitere Kanzelle rechts daneben den dazugehörigen Akkord (gebildet aus jeweils 6 Stimmzungen), also so:

Tonanordnung Vineta

Leider wird dieses Modell nicht mehr neu angeboten. Gelegentlich gibt es vielleicht in Musikgeschäften noch Restbestände. Denkbar ist auch, ein noch gut erhaltenes gebrauchtes Instrument zu erwerben und nach gründlicher Reinigung zu verwenden.

Es gibt auch noch andere Begleit-Instrumente: mehr oder weniger umfangreiche Bass-Instrumente zum Beispiel. Meist werden auf diesen Modellen nur Einzeltöne angespielt, die das mehrstimmige Spiel unterlegen.



Mach was Sinnvolles mit deinen Händen - spiel Mundharmonika!



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